INTERIOR

Christelle Kahla, Anita Mucolli, Julia Steiner, Nicolas Vionnet
11. Sept. – 31. Okt. 2021

Die Ausstellung INTERIOR in der Kunsthalle Palazzo wird sich in unterschiedlichster Weise mit dem «Inneren» beschäftigen. Einerseits wird es um den architektonischen Innenraum gehen und dabei um die spezifische Wahrnehmung und Bewegung in Räumen. Dies kann in Bezug zu den architektonischen Besonderheiten der Innenräume in der Kunsthalle Palazzo geschehen. Andererseits werden mentale, also nicht physisch betretbare Innenräume thematisiert. Auftauchend und wieder verschwindend laden diese uns ein, sie mittels Wort und/oder Bild sichtbar zu machen. Diese neben der taktilen Umgebung existierende Parallelwelt von imaginierten, inneren Bildern hat die Kunst seit jeher befruchtet. Individuelle Vorstellungen, Gedanken und Träume sind ebenso Teil dieser Ausstellung wie Wände, Fenster, Vorhänge, Durch- und Einblicke. Eingeladen sind die vier Künstler*innen Christelle Kahla, Anita Mucolli, Julia Steiner und Nicolas Vionnet. Diese haben jeweils einen oder zwei Räume zu ihrer Verfügung. Die Ausstellung wird von Michael Babics, Leiter Kunsthalle Palazzo kuratiert.

 

CHRISTELLE KAHLA

Die aus der französischen Schweiz stammende Künstlerin Christelle Kahla kreiert farbintensive und ornamental anmutende Werke. Ihre Bilder entstehen meist auf Leinwänden, die direkt und ohne Keilrahmen auf die Wand gepinnt werden, was diesen eine verführerische Unmittelbarkeit verleiht. Sie arbeitet mit Spraydose und Klebeband und realisiert dabei organisch ineinander verschlungene Schlangenlinien oder geometrische Gitterstrukturen, welche durch die repetitive Anordnung eine immersive Wirkung entfalten. In der Kunsthalle Palazzo wird Christelle Kahla den schmalen Raum bespielen. Dabei nimmt das Thema der Bewegung, unterstützt durch die korridorähnliche Situation, eine wichtige Rolle ein. Die räumliche Limitierung ermöglicht ein gänzliches Eintauchen in die von Christelle Kahla geschaffene Farb- und Formenwelt. 

 

ANITA MUCOLLI

Die Künstlerin Anita Mucolli beschäftigt sich in ihrem Werk mit fiktionalen Räumen, welche sie architektonisch nachbaut und damit physisch erlebbar macht. Die von ihr kreierten Räume erscheinen dabei wie Filmsets, bereit mit einer Geschichte bespielt zu werden. Als Betrachtende innerhalb dieser begehbaren Räume wird man selbst zum Protagonisten und trägt mit Bewegung und Gedanken einen entscheidenden Teil zum Werk bei. Die eigenen Erinnerungen und die mit der Raumstimmung verbundenen persönlichen Bezüge vermischen sich mit dem Gesehenen. Dabei lassen sich Fiktion und Realität nicht mehr klar voneinander trennen. Mittels physischer Präsenz werden die Räume der Fiktion entzogen und in unsere eigene Wirklichkeit transferiert.

 

JULIA STEINER

Julia Steiner zeigt in der Kunsthalle Palazzo die Arbeit der letzte Raum. Diese seit 2016 entstandene Installation befindet sich im noch immerwährenden Prozess der Veränderung. Es handelt sich um die Visualisierung und physische Rekonstruktion eines Traumes, in welchem der Künstlerin im Bett liegend der Raum erschien, indem sie einmal sterben wird: Ein auf feinen schwarzen Stelzen platzierter durch eine geöffnete Tür einsichtiger Raum. Darin zu sehen ist ein im Eck stehendes weiss bezogenes Bett. Dieses steht inmitten einer dem Blick ins Universum ähnlicher dunkler dynamischen Wandzeichnung. Im Ist-Zustand dieser Installation ist die Wandzeichnung bereits wieder abgeschliffen und der zurückgebliebene Staub wie Asche in einer Urne in einem Glas untergebracht. Julia Steiner wird diesen mental erschienen und nachgebauten Raum weiterdenken und für den grossen Ausstellungssaal in der Kunsthalle Palazzo eine neue raumspezifische Arbeit realisieren. 

 

NICOLAS VIONNET

Nicolas Vionnet kommt von der gestischen Malerei her und hat im Laufe der Zeit sein Interesse dem öffentlichen Raum und dessen Rezeption zugewandt. Mit subtilen, teilweise humorvollen Eingriffen verändert er die Wahrnehmung und fokussiert die Aufmerksamkeit auf neue Bereiche. Beispielsweise hat er grüne Wiesen lila eingefärbt, so dass sie den Anschein von dichten Blumenwiesen erhielten. Oder er positionierte eine von Gras bewachsene künstliche Insel auf einem städtischen Teich. In jüngster Vergangenheit hat er sich mit alltäglichen Gegenständen beschäftigt, die durch seine gezielte Transformation in ihrer Funktionalität in Frage gestellt werden. An surreale Objekte der 1920er Jahre wie das mit Nägeln versehene Bügeleisen von Man Ray erinnernd, erhalten die Gegenstände einen neuen überraschenden Kontext. In der Kunsthalle Palazzo hat er bereits einmal im Rahmen einer Regionale Ausstellung eine installative Arbeit realisiert. Am Ende eines mit Fliesen bedeckten Korridors stand eine hellbeleuchtete Badewanne.

 

Bild: Julia Steiner, der letzte Raum, 2016–2020, work in progress, Ausstellungsansicht Galerie Urs Meile, Luzern, 5.3.–2.5.2020

 

 

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt von: