May your dream come

Till Langschied, Jennifer Merlyn Scherler, Marius Steiger
6. Mai – 25. Juni 2023
Vernissage: 5. Mai 2023, 18 Uhr

Die Ausstellung im Frühling 2023 in der Kunsthalle Palazzo widmet sich dem Thema des Traumes. Träume tauchen sowohl in der Nacht wie auch am Tag auf und haben den Menschen und sein Dasein immer begleitet. Sie bringen ihn dazu, Grenzen auszuloten und das Unmögliche zu wagen, sie können jedoch auch Angst einflössen, verblenden und Rücksichtslosigkeit fördern. In einer Welt, in welcher Visionen rar geworden sind und sich einige Utopien als nicht realisierbar erwiesen haben, sind Träume nicht von der Bildfläche verschwunden. Der Ausstellungstitel scheint die Botschaft von einer nahenden Veränderung zu vermitteln. Er berichtet von einem bevorstehenden Traum, der noch nicht vollständig artikuliert und präsent ist. Die Ausstellung versteht sich als Einladung Träume kommen und wachsen zu lassen. Alle drei Künstler:innen befassen sich in ihrem Werk in unterschiedlicher Weise mit dem Thema des Träumens: Sei es der Traum ungehindert mit verschiedenen Identitäten spielen zu können, an das Überwinden der Vergänglichkeit zu glauben oder die Beschäftigung mit Sehnsüchten, die auch zur Last werden können. Dabei bedienen sie sich den aktuellsten digitalen Möglichkeiten, die sie in ihre Kunst einfliessen lassen. Marius Steiger verwendet 3D-Visualisierungen, die er als Vorlage für seine Malerei nutzt. Und sowohl Jennifer Merlyn Scherler wie auch Till Langschied setzen sich in künstlerischer Weise kritisch mit dem Internet und dessen Ambivalenz auseinander. Gemeinsam ist allen drei Künstler:innen die ungebremste Neugier, ihr Umfeld zu durchleuchten, und die Offenheit, Träume zuzulassen und ihnen zu folgen.

 

Begleitet wird die Ausstellung mit einer parallel stattfindenden Werkschau, welche Arbeiten von Künstler:innen vom Machwerk Liestal, ein Verein für Sozialpsychiatrie umfasst. Ebenfalls unter dem Leitfaden des Träumens werden sie neue Werke für die Kunsthalle Palazzo schaffen.

 

Till Langschied

Till Langschied arbeitet als bildender Künstler mit unterschiedlichen Medien und ist auch als Kurator tätig. 2019 gründete Till Langschied den unabhängigen Kunstraum «Pleasure Zone» und seit 2021 kuratiert er das Satellit Ausstellungsprogramm des Kunst- und Archivraums «DOCK» in Basel. In seiner künstlerischen Auseinandersetzung interessiert er sich für die vermehrt digital geprägte Realität und wie diese unseren mentalen Zustand beeinflusst und welche Spuren sie an unseren Körpern hinterlässt. Er beschäftigt sich mit der Interaktion des Menschen mit seiner technologischen Umgebung und dessen Wandel im Laufe der Zeit. Beispielsweise setzt er sich mit digitalen Bildern auseinander, welche beinahe vergessen auf alten Servern schlummern. Dabei stellt er sich der Frage, wie dieser digitale «Müll» wiederverwendet und eine zeitgenössische Deutung erfahren kann. Oder er setzt die von den Göttern bestrafte mythologische Figur des Tantalos ein, der sich nach Früchten und Wasser zu strecken versucht, diese aber nie erreichen kann. Tantalos figuriert als Symbol für die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die für digitale Geräte nötig sind, und für die unerfüllten Wünsche, welche wir an unsere technologische Umgebung stellen. Till Langschied zeigt, dass die digitale Verheissung Perspektiven und Visionen eröffnet, jedoch auch Last und Bürde sein kann.

 

Jennifer Merlyn Scherler

Mit der Verwendung von verschiedenen Medien widmet sich Jennifer Merlyn Scherler in their künstlerischer Arbeit Themen wie Gender-Fluidität, popkulturellen Phänomenen, Identitätsfragen, Machtstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen. Ein grosses Interesse besteht an der Erforschung des Internets und den darin sich manifestierenden Stereotypen und Machtstrukturen, die durch die angewendeten Algorithmen zementiert werden. Gruppierungen, die sich ausserhalb des Mainstreams befinden, werden in diesem scheinbar offenen und demokratischen Raum nicht angemessen repräsentiert und sind repressiven Plattformrichtlinien ausgesetzt. Die in der analogen Kultur präsente kulturelle Dominanz und die hegemonialen Ansprüche finden ihre Entsprechung im digitalen Raum. Sie werden repetiert und oftmals sogar potenziert. Die Hoffnung, das Internet könne allen eine gleichberechtigte Stimme geben und stehe für eine gesellschaftliche Öffnung, hat sich als Illusion erwiesen. Scherler untersucht diese Machtsysteme und Ausschlussmechanismen in medienkritischer Weise und reflektiert über Strategien, wie sich nicht angemessen repräsentierte Gruppierungen Gehör und Sichtbarkeit schaffen. Scherler kreiert dabei Fantasiewelten angereichert mit popkulturellen Versatzstücken, in welchen they selbst in unterschiedlichen Identitäten auftritt. In diversen Rollen reflektiert Scherler Verhaltens- und Repräsentationsweisen und untersucht wie wechselnde Hüllen den Auftritt und die äusserliche Wahrnehmung beeinflussen. Dabei bedient Scherler sich Formaten wie Video, Text, Fotografie, Sound und Lecture-Performances und realisiert their Interventionen im analogen wie auch im digitalen Raum.

They und their sind geschlechtsneutrale Pronomen, welche dem Englischen entliehen sind. Jennifer Merlyn Scherler ist eine nichtbinäre Person.

 

Marius Steiger

Der in London wohnhafte Künstler Marius Steiger beschäftigt sich in seinen Werken mit der Diskrepanz von Natur und Künstlichkeit und dem menschlichen Traum nach ewigem Leben. Dabei setzt er die Malerei wie auch kleinformatige Objekte ein, die gezielt in räumlichen Arrangements platziert werden. In seiner jüngsten in London präsentierten Schau sind auf zweifarbigen monochromen Flächen schwebende Früchte und Blumen zu sehen. Diese wirken wie ausgeschnitten und sind collageartig auf die räumlich undefinierten Farbflächen gesetzt. Die verwendeten Farben orientieren sind an der Natur, sind jedoch glänzend und ohne jegliche Unregelmässigkeit. Die in der Tradition der Stilllebenmalerei oft auftauchenden Zeichen der Vergänglichkeit, wie leicht faulende Früchte oder Insekten, sind einer makellosen Oberfläche gewichen. In einem Bild hat sich ein Schmetterling unter die Früchte und Blumen gemischt und nimmt Teil am farbenfrohen Reigen, ohne jedoch auf den drohenden Verfall hinzuweisen. Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit ist spürbar, auch wenn der sorgenfreie Flug des Schmetterlings jederzeit enden könnte. Marius Steiger realisiert seine Bilder auf der Grundlage von digitalen 3D-Visualisierungen. Indem er sich nicht direkt an der Natur oder an bestehenden Objekten orientiert, sondern den Umweg über digital generierte Replikas geht, setzt er die Künstlichkeit bewusst ein. Die der Natur innewohnende Unregelmässigkeit oder die Patina von im Gebrauch stehenden Objekten bleibt dabei bewusst ausgeklammert. Die Bilder orientieren sich an Objekten, die keine Spuren der Zeit und des Verbrauchs aufweisen. Mit den makellos gemalten Oberflächen, der Unversehrtheit und Unbeflecktheit stehen die Werke als Projektionsfläche für Träume und Sehnsüchte.

 

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt von: Kulturförderung des Kantons Basel-Landschaft, Stiftung Temperatio, Stadt Liestal, Kulturhaus Palazzo AG

 

Bild: Jennifer Merlyn Scherler, so sad so sexy, 2021, Videostill